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BS-Royale
Foto © Rene Bieder


Tobi Kotitschke BS Torque
Foto © Rene Bieder


Tobi Kotitschke - BS Royale
Foto © Rene Bieder


Symon - Royale
Foto © Rene Bieder



Disaster
Foto © Rene Bieder


Trink doch auch was....


Party 1
Foto © Rene Bieder


Party 2
Foto © Rene Bieder




POZNAN

Ein Wochenende der etwas anderen Art

POLEN.... man hört nicht wirklich viel aus diesem Land.
Man hört, dass viele Deutsche zum Tanken und zum billig Einkaufen dort hin fahren... Man hört das es nicht das reichste Land ist...
Man hört das es nun zur EU gehört...
Man hört einiges! Aber im seltensten Falle hört man etwas, das mit Rollerblading verbunden ist.

Vor diesem Wochenende, hatte ich keinen blassen Schimmer, was mich in diesem Land erwarten würde. Ich war nur erfreut, das ich die Chance hatte, es kennenzulernen.
Das mein Wochenende fernab von Daheim jedoch derart beeindruckend würde, hätte ich in keinem Falle erwartet.

Ich machte mich Freitag Abend auf den Weg nach Berlin zu Frieda Reisch.
Dort angekommen, wurde ich das erste Mal an diesem Wochenende ein wenig in Staunen versetzt, als ich ihre Miniquarter und die Grindbox zu Gesicht bekam.
In der Wohnung versteht sich.
Nach einer relativ kurzen Nacht, holten wir Mister Ignition Skateshop Leo Donhauser vom Bahnhof ab und mussten feststellen, dass es in Berlin 7:30Uhr in der Früh kein Frühstück aufzutreiben gibt.

Während wir also spekulierten was uns in Polen erwarten würde, staunten wir nicht schlecht, als wir den LKW Wartestau vor der Grenze bemerkten. Da war bestimmt 10 Kilometer oder mehr (bin nicht der beste im schätzen) ein LKW an den nächsten gereiht! Teilweise sogar zweispurig. Da macht Laster fahren richtig Spaß, schätze ich mal.
In Polen angekommen, ging es gleich weiter. An der erstbesten Tankstelle fing es damit an, dass wir von einem Tankwart betankt wurden. Und als ich dann den Preis für meinen kleinen Einkauf genannt bekam, dachte ich zuerst, das man sich verrechnet haben müsse. Für das Geld hätte ich in Deutschland nicht mal eine Flasche Wasser bekommen.

Beeindruckt und sichtlich vom Wetter eingenommen, ging’s also weiter Richtung Poznan. Über das Autofahren der Polen könnte ich jetzt auch noch ausführlich berichten, aber ich werde es mal dabei belassen, euch wissen zu lassen, dass es schon mal vorkommt, dass ein Bus, der gerade einen Laster überholt, gleichzeitig noch von einem Pkw überholt wird! Und das ganze auf einer Landstrasse. Ist ein toller Anblick, wenn man eine solche Kolonne auf sich zukommen sieht.
Das Bild das sich beim Reisen über diese Landstrassen bietet, ist allerdings nicht weniger verwunderlich. Eine Ortschaft erkennt man meist erst an dem Schild, das auf das Ende des Ortes hinweist. Und wenn man mal lange Zeit keine Ortschaft durchquert, kann man sich trotzdem sicher sein, das man alle paar Kilometer einen Schuppen am Straßenrand sieht. Einen Schuppen um den im Umkreis von 100 Meter entweder Gartenzwerge, Kuscheltiere oder Korbwaren errichtet wurden.
Ob diese Schuppen und ihr Umfeld, eher zur Lagerung oder zum Verkauf dienen, war nicht herauszufinden.

Aber vorerst genug über das Land. Widmen wir uns unserem eigentlichem Ziel.
Dem Contest. Mir wurde langsam Angst und Bange, dass ich keine Practise Zeit zur Verfügung haben würde und ich meine Line nicht mehr einstudieren könne.
Ähm... halt.. wir waren auf dem Weg zu einem Realstreet Event.
Also widmete ich meine Angst dann doch eher dem Wetter. Das sah nämlich leider am allerwenigsten erfreulich aus, und das Lachen über Fridas durchaus ausgeglichenen Fahrstil, verging uns beim Anblick des Himmels vor, über und neben uns.

Als wir mit etwas Verspätung am ersten Spot ankamen, hatte sich das Wetter aber wohl endgültig entschieden und so regnete es den ganzen Tag immer genau dort NICHT, wo wir uns gerade aufhielten. DANKE
Der erste Spot war eine kleine Marmorplattform, die zwar perfekt ausschaute, aber durchaus ihre Tücken hatte. Erwähnt werden sollte noch, dass wir dort auch den Sportshop Bus gefüllt mit Norman, Bart, Rene Bieder, Tobi und einigen anderen Berlinern trafen. Ein kleines Stück Heimat also.
Nach 10 Minuten Chaos am ersten Spot, ging es weiter zum zweiten.
Zwei perfekte Rails Links und Rechts. Das einzige was etwas unentspannt schien, war der Schlamm, der die Ausfahrt und eigentlich die gesamte Fläche um das Rail prägte. Frida schaffte es als erstes von uns, sich der Länge nach reinzulegen, was natürlich großes Gegröle bei den durchaus charmanten Polen hervorrief.
5 Minuten später lag auch ich und mir wurde mit einem Mal etwas ungemütlich.
Ist halt nicht das beste Gefühl, mit leckerem Schlamm bekleckert zu sein.
Die Polen allerdings, holten einiges aus dem Rail heraus und es gingen eine Menge Combies und Spin to Grind Geschichten.

Der dritte Spot war ein eher komisches Metal Curb mit einer mäßigen bis steilen Bank daneben. Als Spot hätte ich das nicht erkannt. Aber den hochmotivierten Polen war das egal und so fingen sie an sich zu zerschießen. Mal direkt mit den Schienbeinen oder mal mit einem Grind to Shuffle (welcher auf Grund des Materials schon im Vornherein als aussichtslos angesehen werden müsste) .
Irgendwann wurde es Frida und mir zu bunt und wir verzogen uns in den Supermarkt, den wir entdeckten. Dieser Supermarkt, war im Keller eines Wohnhauses und von Zahnbürsten bis Lollis fand man dort alles was man zum Leben brauchte. Während wir den erneut sehr preisgünstigen Einkauf verstauten, witzelten wir darüber das die anderen bestimmt gerade einen Spotwechsel vollzogen haben und wir nun alleine dastanden.
Als wir dann die Tür öffneten und die Treppen empor stiegen, sahen wir gerade noch die letzten zwei Skater davon fahren. Es folgte ein ausführlicher Lachkrampf und mir viel wieder ein gut gemeinter Rat ein: „Nie ohne Gruppe bewegen und auf keinen Fall anmerken lassen das man Deutscher ist.“

Hm... Nunja. Wir folgten also einfach einer kleinen Gruppe von Skatern, in der Hoffnung das es nicht allzu weit zum nächsten Spot war.
Dieser war glücklicher Weise gleich um die Ecke und wir fanden ein paar Lowrails vor, die zum Rail2Rail Transfer einluden. Am meisten verstand das ein Einheimischer, der mit Topsoul to Soul to 360° Topsoul (alles Rail2Rail versteht sich) fast den Hammer setzte, es aber nicht ganz sauber landete.

So... wir waren also am 4ten Spot und wir hatten viele beeindruckende Momente hinter uns.
Die Polen wirken von der Sprache und ihren Gesten her sehr aggressiv.
Selbst wenn ein Freund sich in der Reihe zum Rail vordrängelt, schreien sie sich an.
Was wir an den nächsten drei Spots allerdings erlebten, sprengte jegliche Vorstellungskraft.
Es ging zu einem Droprail. Nicht allzu lang und auch nicht übermäßig Drop, aber immerhin! Die Anfahrt war zwar ein etwas enger Podest, aber des stört doch die Polen nicht. Mit over Boardwalk und 50/50 gings los. Mit dem Oxygen Argon versteht sich. Dann war allerdings mit einem Mal der Spaß vorbei!

Es wurde mit Fishbrain und ähnlich guten Sachen durchgestartet.
Irgendwann entschied sich auch die Frida das Rail zu grinden.
Aber ich glaube es wurde ihr Angst und Bange als sie die Treppe zum Rail empor schritt. Sämtliche Polen brüllten sich nämlich auf einmal selbst und gegenseitig Mut zu! Sie schrieen regelrecht um sich für Tricks wie ao Fishbrain oder dergleichen zu motivieren.
Frida wirkte zwischen diesen Motivationskanonen eher verloren. Als sie höflich um ein wenig Platz zum anfahren bat, wurde ihr zwar die Ecke freigemacht, im selben Moment standen dann aber auch schon wieder ein paar der Jungs vor ihr und sie wurde wieder ignoriert. Als sie dann endlich genügend Platz fand, stand sie einen Topsoul an diesem wirklich sehr schnellem Rail. Das verlangte den doch so unglaublich hartgesottenen Polen, dann doch eine Runde Applaus ab!
Bart Laubsch machte Fishbrain. Als dann Tobi Kotitschke die Treppe empor ging und kurz am Rail stehen blieb um zu schauen, wurde er gleich von sämtlichen Polen angebrüllt weil er ihnen im Weg stand. Zu ihrer Überraschung allerdings, stand er dann einen true Topsoyal!!!!!
Die Jungs aus dem Heimatland legten allerdings unverzüglich mit Fullcap Kindgrind und fullcap true Mizou nach. Sehr schön!!!

Das volle Gegenteil von „sehr schön“ allerdings, war der nächste Spot und das was dort passierte! Ein Kinkrail mit so steilem Kink, das die einzige Möglichkeit, dieses Rail zu skaten, aus dem Disastern bestand. Das tat dann auch jeder Pole! Besonders die, denen man schon beim Anfahren ansah, dass es zwecklos werden würde. Ein unglaublicher Trick allerdings war ein disaster Unity !
Ich hab den Trick leider nicht gesehen, aber als wir am Spot ankamen sprach schon jeder davon!
Was jetzt folgte, einfach nur noch unglaublich und wir als nicht begreifende Deutsche, standen nur noch mit Lachkrämpfen am Rand. Wir lachten die Jungs keinesfalls aus!!! Wir waren nur so derart beeindruckt und konnten nicht verstehen was dort passierte, das uns nichts anderes einfiel, als zu lachen! Wir hätten auch genauso gut heulen können!
Die Polnischen Skater gaben sich nämlich jetzt an diesem Kinkrail eine Disaster Orgie, das es nur so krachte. Disaster back Fastslide, disaster Fishbrain, disaster Topsoul und und und. Nur die zwei Skater mit dem Topsoul, hatten ansatzweise Aussichten auf eine Landung. Alle anderen schlugen eher wie nach einem unkontrolliertem Gap ein. Das natürlich keiner dieser Leute Ansatz von Schmerzen zeigte ist selbstverständlich. Dann setzte allerdings einer der aggressiveren Sorte den Hammer. Erst landete er auf dem Gesicht und es sah so aus als wenn er sich seinen Kiefer wieder einrenken würde und dann versuchte er wieder einen disaster Topsoul. Allerdings vorher mit Mute Grab. Er sprang so sehr ab, das er das Rail komplett überflog und unten mit voller Wucht einschlug. Knie und Hüfte dürften Laut meinen Berechnungen verabschiedet gewesen sein. Das oben schon der erste wieder Stress machte, weil der eben eingeschlagene im Weg lag, lass ich jetzt mal so stehen. Jedenfalls zeigte der gelandete Skater das erste mal an diesem Tag, das er Schmerzen empfindet. Am nächsten Tag war er allerdings schon wieder startklar, was mir nicht unbedingt als selbstverständlich erschien.

Von diesem harten Erlebnis geprägt, ging es dann endlich zum letzten Spot.
Einem langen, blauen Rail.
Dort verdrehte sich ein Skater das Knie... Wenn ich euch jetzt sage wobei, dann glaubt ihr mir das sowieso nicht.... Er verdrehte sich das Knie, nachdem er aus einem Boardwalk in den Stand wechselte und sein Fuß im Grab, in alle erdenkliche Richtungen zog um seinen Style zu zeigen. Das ganze passierte natürlich während des Grindes. Ich konnte nicht mehr!!!!!

Irgendwann war auch das endlich vorbei und wir fuhren nach einem langen und erlebnisreichen Tag zu Mirek und seiner Freundin. Mirek ist der Mensch der Ignition Polen regelt. Die beiden zählen eher zu den ausgeglichnen Menschen und nehmen im Gegensatz zum Rest der Jungs die wir kennerlernten, alles eher locker.
Nachdem alle geduscht hatten, gingen wir fein Essen und dann in das Hotel in dem die Berliner und die Hälfte der polnischen Skater übernachteten. Dort wurde sich scheinbar dem polnischen Nationalsport gewidmet.
WODKA. Ich verstehe nicht ganz, wie es jemand schafft, eine Flasche Wodka in einer Minute zu trinken und sich dann nicht mal zu übergeben. Wir als Biertrinker waren eher die Außenseiter. Auf der Party ging dann auch noch einiges und wir merkten das manche der polnischen Jungs doch wirklich richtig nett waren!

Gewonnen hat Mateusz Kowalski! Und Tobi Kotitschke bekam einen Sonderpreis, da er als Deutscher angereist war und auch noch gut geskatet ist. Gratulation mein lieber!

Ich unterhielt mich fast den ganzen Abend mit Adam, der auch das Video „Psyche“ gemacht hat. Und das Gespräch mit ihm zeigte mir, das egal wie komisch sich manche Mensachen benehmen... Rollerblader sind trotzdem auf der ganzen Welt gleich und es geht immer ums selbe!!!

Ich weiss, der Bericht ist ein wenig ausführlicher, aber ich denke es lohnt sich, bis zum Ende gelesen zu haben.
Danke an Mirek für die Übernachtung, danke das mir diese Reise ermöglicht wurde und danke an Frida und Leo für den vielen Spaß.

Polen ist also immer eine Reise wert!!!!!!!!!!!!!!

So hier die Platzierungen:
1.Mateusz Kowalski "Kowal"
2.Adam Zurawiecki "Maly"
3.Krzysztof Zdunek "Zdunek"
4.Tobias Kotichske "Tobi"
5.Bartosz Beller "Karakan"
6.Szymon
7.Kuba Olejarz "Des"
8.Tomasz Kwiecie "Joghurt"
9.Tomasz Bratnik

Ps.: Die polnischen Jungs, flogen aus dem Hotel, da sie Die Schränke und andere Möbel auf den Gang trugen und Sachen wie Radios aus dem Fenster segelten... Ich hätte euch gern auch die Skater zu den einzelnen Tricks genannt, aber das war unmöglich! © Jojo